Stilles Qi Gong

Pfingsten 2009

Qi = Energie, Gong= Arbeit, Übung, Kunstfertigkeit. Qi Gong ist neben Kräuterheilkunde und Akupunktur Teil der Chinesischen Medizin. Die meisten Arten von Qi Gong werden mit Bewegung ausgeführt. Es gibt unzählige verschiedene Formen (z. B. "Die 18 harmonischen Figuren", "Spiel der Tiere", "Die 15 Ausdrucksformen", "Kranich-Qigong" ...) Diese Form des Qi Gong werden die meisten irgendwo schon gesehen haben: Es sind langsame Bewegungen vorwiegend im Stehen. Stilles Qi Gong wiederum ist vorwiegend ohne Bewegung. Jeder muß die Art von Qi Gong, die ihm liegt, selber herausfinden.

Das Qi fließt im Menschen durch die Meridiane, (sh. Darstellung auf dem Modell, dieses habe ich aus London) die Energieleitbahnen. Es gibt 12 Hauptmeridiane, 8 Nebenmeridiane und zahlreiche Hilfsmeridiane. Die Meridiane sind untereinander verbunden. Viele verlaufen im Körper, viele jedoch unter der Hautoberfläche. Auf den Meridianen befinden sich Energie- oder Akupunkturpunkte. Die Punkte im Inneren des Körpers kann man von außen nicht erreichen. Das geht nur mit der Vorstellungskraft, also z. B. durch Qi Gong. Die äußeren Punkte kann man behandeln, um den Energiefluß entsprechend zu sedieren oder zu tonisieren bzw. um Blockaden zu lösen. Das Behandeln kann geschehen durch Akupressur, Drücken, durch Akupunktur, Stechen oder durch Moxabehandlung. Moxa ist gepreßtes Beifußkraut, welches angezündet und über dem Punkt gekreist wird.

Man vermutet, daß stagnierendes Qi, ähnlich wie stehendes Wasser, Krankheiten auslöst. Man kann sich die Meridiane wie Flußläufe vorstellen, die ständig gewartet werden müssen, damit Unrat sie nicht verstopft. Qi kann man normalerweise nicht sehen, aber die Wirkung von Qi ist teilweise wissenschaftlich messbar. Man kann durch das Üben jedoch ein Gefühl für Qi entwickeln. Meistens macht es sich durch Wärme, Kribbeln, Kühle oder ein fließendes Gefühl bemerkbar. Qi besitzt eine ähnliche Konsistenz wie Sonnenlicht oder Wind. Wir können diese Kräfte nicht anfassen oder festhalten, sie jedoch erfahren. Qi ist auf japanisch Ki und auf indisch Prana.

Das Stille Qi Gong wird vorwiegend im Sitzen auf Stühlen ausgeübt. Mittels der Vorstellungskraft leitet man das Qi auf bestimmten Bahnen und zu bestimmten Punkten im Körper. Ein Beispiel wäre der "Kleine Himmlische Energiekreislauf", welcher durch 9 Punkte am Oberkörper festgelegt wird. Gedanklich geht man sanft vom einem Punkt zum andereren, vom Unterbauch die Wirbelsäule hinauf, über den Kopf und am Vorderkörper wieder hinunter zum Unterbauch.

Eine andere Übung ist die "Pflege des Qi" bei der man sich auf den Unterbauch konzentriert bis man etwas empfindet. Dann läßt man die Gedanken los und das Qi verteilt sich frei im Körper. Zum Schluß sammelt man es wieder in den Unterbauch. Alle Übungen werden in einem entspannten Zustand durchgeführt.

Ich persönlich kam zu Meister Zhi Chang Li in München, wo ich zuerst ein Wochenseminar für Anfänger und später einen Ausbildungslehrgang absolviert habe. Bis heute nehme ich an Weiterbildungsseminaren teil und ich habe hier etwas für mich gefunden, das ich wohl ein Leben lang praktizieren werde. Infos über die Kurse von Meister Li beim Qi Gong Institut in München, Tel. 089-69341002. Schüler von Meister Li, die unterrichten, können beim Qi Gong Institut in München erfragt werden.

Qi Gong Institut Li, München

Körperliche Wirkungen von Qi Gong Übungen sind teilweise meßbar: der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck wird gesenkt. Das Cholesterin reguliert sich, Blutgefäße erweitern sich, so daß mehr Blut transportiert wird. Dadurch steigt auch die Blutversorgung im Gehirn. Endorphine werden ausgeschüttet, während Streßhormone abnehmen. Die Bauchatmung wirkt wie Massage auf die Organe, so daß sich z.B. auch die Verdauung regulieren kann. Langfristig wirkt sich das Üben von Qi Gong auch auf die Biofaktoren des Altern günstig aus, wie z.B. neben den oben genannten Dingen, verbessert sich das Sehen, das Hören, die Hautelastizität, die Knochendichte (mir hat einmal eine Patientin erzählt, dass sie durch Qi Gong ihre Knochendichte erhöht und somit die Osteoporose verbessert hat), Kraft und Immunsystem. Letztlich wird man neben all den positiven körperlichen Auswirkungen auch gelassener. Natürlich muß man hierzu fleissig üben, das heißt täglich oder zumindest regelmässig. Jetzt empfehle ich zusätzlich, sich einen guten TCM-Arzt zu suchen und die chinesischen Kräuter in Dekoktform (Abkochung) einzunehmen. Eine ganz schöne Erklärung über Qi Gong findet Ihr auch auf der Homepage meines Mitschülers Thomas Richter.
Wer Kontakt mit mir aufnehmen möchte, kann dies unter tun!



Literatur

"Das Stille Qi Gong", Ulli Olvedi, geschichtlicher Hintergrund, Basiswissen, Übungen
"Qi Gong im Alltag", Joachim Pongratz, Basiswissen, Übungen
Li Zhi Chang: "Mit dem Herzen lächeln" + "Setz dich hin und tue nichts"
von Inka Jochum (Homepage) gibt es folgende Büchlein:
"Nie mehr müde" (beinhaltet u.a. Die 6 Heilenden Laute), "Das AugenHeilBuch", "Das KnieHeilbuch", "Das RückenHeilbuch", "Hilfe bei Angst" und "Neue Lebensenergie" (5 Übungen aus dem Stillen Qi Gong mit Fotos von Meister Li); hierzu gibt es das Hörbuch, auf dem sich auch diverse Basisübungen mit Musik und Ansage befinden.) u.a.

"Ich breite mein Lächeln aus - Qigong und MS", Zuzana Sebkova-Thaller
zu beziehen beim Verlag,Homepage von Zuzana Sebkova-Thaller


Zuzana und ich, Juli 2005

2004 und 2005 habe ich bei Zhang Xiao Ping jeweils ein Wochenende Duft-Qi-Gong im Kloster der Fraueninsel im bayrischen Chiemsee mitgemacht. Duft-Qi-Gong Stufe I besteht aus 15 einfachen Armbewegungen, die relativ monoton und schnell, ohne Einsatz der Vorstellungskraft geübt werden. Bei Stufe II schwingt man mit den Hüften hin und her und macht, mal mit dem Hüftrhythmus, mal gegenläufig, 15 andere Armbewegungen. Im April 2008 habe ich bei Xiao Ping das Seminar Knochenmarkwaschen-Qi-Gong mitgemacht. Dieses Qi Gong besteht aus drei Teilen, zwei im Sitzen, einer im Liegen. Die Bewegungsabläufe bzw. Haltungen im Liegen und die Vorstellungsübungen sind wiederum relativ einfach. Meister Zhang Xiao Ping wohnt in Wien, wo er sein Studio hat, reist jedoch auch umher. Wer einmal Gelegenheit hat, ein Seminar bei ihm zu machen, würde ich das empfehlen.
Homepage von Zhang Xiao Ping

Bericht von Dirk Ruppik, mit freundlicher Genehmigung von ihm

Das regelmäßige Üben von Qigong hat neben anderen Wirkungen auch nachhaltigen Einfluss auf das Gefühlsleben und die geistige Ruhe. Die geistigen und körperlichen Grundhaltungen im Qigong sind förderlich zur Entwicklung emotionaler Kompetenz, d.h. für einen guten Umgang mit den eigenen Gefühlen sowie denen anderer Menschen. Insbesondere in der Arbeit mit dem Herzzentrum und den Organen besteht die Möglichkeit, die Emotionen zu harmonisieren und in einen "geheilten" Zustand zu transformieren.

Um den Zusammenhang von Qigong und der Entwicklung emotionaler Kompetenz zu zeigen, sollen zunächst die Begriffe Emotion und emotionale Kompetenz definiert werden.
Daniel Goleman, der 1996 mit seinem Buch "Emotionale Intelligenz" ein wegweisendes Werk zum damaligen Stand der Forschung schrieb und den Begriff des emotionalen Intelligenzquotienten prägte, definiert Emotionen als "durch die Evolution herausgebildete bewährte Reaktionsmuster, denen ein Handlungsimpuls innewohnt" (lat. "movere"=bewegen, "emovere"=hinwegbewegen).
Drei Jahre später führte Claude Steiner in seinem Buch "Emotionale Kompetenz" Golemans Anregungen, die Emotionalität neu zu bewerten, weiter und setze sie in ein Trainingskonzept um. Er definiert emotionale Kompetenz folgendermaßen: "Ein emotional kompetenter Mensch, ist in der Lage, mit seinen Gefühlen so umzugehen, dass sie seine Persönlichkeit stärken und die Lebensqualität in seiner Umgebung verbessern."
Er präzisiert: "Emotional intelligent zu sein bedeutet, die eigenen Gefühle und die der anderen richtig einzuschätzen und ihre Beweggründe zu verstehen. Eine solche Einsicht ermöglicht den richtigen Umgang mit Gefühlen".

Ein Training zur emotionalen Kompetenz besteht nach Steiner aus der Förderung der fünf Fertigkeiten:

- die eigenen Gefühle kennen
Was sind es für Gefühle, wie stark sind sie und woher kommen sie?
- Einfühlsamkeit (Empathie) besitzen
Gefühle anderer wahrnehmen und verstehen, warum der andere so empfindet; Identifikation mit anderen Motiven und Lebenssituationen; Gefühle empfinden, als wären es die eigenen.
- den Umgang mit den eigenen Gefühlen lernen
Wissen, wann man seine eigenen Gefühle offenbart und wann man sie besser zurückhält. Wie wirkt der Gefühlsausbruch auf das Gegenüber? Erlernen, positive Gefühle wie Hoffnung, Liebe und Freude zu verstärken und negative Empfindungen wie Ärger, Furcht oder Schuld auf harmlose Weise auszuleben.
- emotionale Schäden wieder gutmachen
Sich entschuldigen können, Zugeständnisse machen können, Verantwortung übernehmen.
- soziale Interaktivität
Sinnvolle Interaktion (Entwicklung von den vorher genannten Punkten) durch das Einstimmen auf die Gefühle der Umgebung und die richtige Einschätzung der emotionalen Befindlichkeit.

Emotional kompetentes Verhalten beinhaltet gewünschtes, nicht-manipulatives Geben und Nehmen von Anerkennung und Zuwendung jeder Art. Dadurch wird unser Herz in der Beziehung zum anderen geöffnet und ein wesentliches Grundbedürfnis befriedigt.
In unserer zivilisierten Welt sind wir ständig damit konfrontiert, die Emotionen und damit den innewohnenden Handlungsimpuls zu kontrollieren. Die Emotionen müssen angenommen, verarbeitet und in den geheilten Zustand transformiert werden, damit sich keine emotionalen Stauungen oder Blockaden ergeben. In welcher Weise kann nun Qigong bei der Entwicklung emotionaler Kompetenz und der Läuterung der Emotionen förderlich sein?

Durch das Eintreten in einen seelischen und körperlichen Entspannungszustand weitet sich das Bewusstsein und die Fähigkeit zur Innenschau erhöht sich. Im Qigong wird dies häufig mit dem Begriff "die inneren Landschaften schauen" umschrieen. Auf diese Weise wird die Voraussetzung geschaffen, "durchlässig" zu werden und die eigenen Gefühle wahrzunehmen, anzunehmen und zu wandeln. Das geht natürlich mit einer Steigerung des Selbstbewusstseins einher.

Durch das Fortschreiten im Prozess der Annahme und der Wandlung der Gefühle können Emotionen besänftigt und der so genannte "Herzaffe" gebändigt werden.

Die aufrechte Haltung der Wirbelsäule beim Qigong
symbolisiert nicht nur die Absicht, zu etwas stehen zu wollen, sondern schafft auch eine optimale Durchlässigkeit für den "zentralen Informationskanal" Wirbelsäule. Da körperliche Haltungen auch psychische Haltungen beeinflussen (und umgekehrt), fördert eine aufrechte Wirbelsäule auch eine aufrechte psychische Haltung. Die Qigong-Grundhaltung ermöglicht ein optimales Fließen der Energie im Körper.

Die Entwicklung von Gleichmut
Ein Geist, der sich im Zustand des Gleichmuts befindet, kann viel besser auf sein soziales Umfeld reagieren und besser über diese Reaktion (Art und Ausmaß) entscheiden. Die Gefahr, dass man sich wie ein "Elefant im Porzellanladen" benimmt, wird geringer - besonders in Verbindung mit einer erhöhten Sensibilität. Dabei darf Gleichmut nicht mit der Unfähigkeit zu Gefühlen verwechselt werden. Dies würde ja auch der gewollten Durchlässigkeit widersprechen. Man könnte vielleicht sagen, das erforderliche Erregungs- bzw. das Aktionspotential der Nerven hat sich erhöht.

Die Entwicklung von Achtsamkeit
Ebenso schafft die Entwicklung der Achtsamkeit in Qigong, Tai Chi und anderen spirituellen Disziplinen ein erhöhtes Potential, Situationen richtig einzuschätzen und die eigenen wie auch die Gefühle und Beweggründe des Gegenübers besser verstehen zu lernen.

Das innere Lächeln
Indem man (in einer speziellen Übung) dem Herzen und den Organen zulächelt, wird das positive Grundgefühl gesteigert, die positiven Gefühle werden verstärkt und die negativen abgemildert. Die (gesunde) Eigenliebe verstärkt sich und damit die Liebe für jedes andere Lebewesen.

Dem sogenannten Mittleren Dantian oder Herzzentrum sind im Qigong oberflächlich die Emotionen und in der Tiefe der Energiekörper zugeordnet. Besonders über die Arbeit mit dem Herzzentrum können die Emotionen harmonisiert und in den "geheilten" Zustand transformiert werden. Das Herz ist besonders störanfällig für negative Emotionen wie Eifersucht, Sorgen, Wut, Schreck usw. Dem Funktionskreis Herz sind neben der Herz- und der Dünndarmleitbahn auch die Blutgefäße, der Schweiß, die Farbe Rot, die Zunge, der Geschmack bitter, die Sprache, die Emotion Liebe und der Geist "Shen" zugeordnet. Unter Shen versteht man alle intellektuellen, geistigen und psychologischen Funktionen wie Denken, Bewusstsein, Erinnerungsvermögen, Schlafen, Inspiration, Weisheit und Stimmung.
Im Huangdi Neijing, dem "Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin", heißt es dazu: "Das Herz ist der Herrscher, von ihm geht die Klarheit des Geistes aus". Laotse führt diesen Gedanken noch weiter: "Klarheit und Stille bringen Ordnung in die Welt."

Das Herz spielt also eine große Rolle bei der Harmonisierung der Emotionen. Es übt auf alle anderen Organe und die zugeordneten Emotionen eine harmonisierende Wirkung aus. In Bezug auf das Herz sollten der "pathologische" und der "geheilte" Zustand genauer beschrieben werden:
- "pathologischer Zustand"
Das Herz erfährt viel Bewegung und wenig Ruhe. Das Denken wird von vielen unterschiedlichen Vorstellungen bestimmt. Es ist voller Habgier und Ablehnung und ohne irgendeine Beständigkeit. Ängste und Sorgen, Pläne und Überlegungen rennen dahin wie verrückte Pferde. Das Herz ist besonders anfällig für übermäßige Stimulation von außen. Besonders übermäßige euphorische Freude greift das Herz laut TCM und bringt es aus der Balance. Die Folge sind extreme Gemüts- und Gefühlsschwankungen, die sich wiederum in Euphorie zeigen können.
- "geheilter Zustand"
Das Herz wandelt sich zur Reinheit und Ruhe, ganz egal ob es in Beschäftigung handelt oder sich in Freizeit befindet. Es gibt keinerlei Bewegung mehr (Sun Simiao).

Durch Meditation bzw. Qigong, d.h. die Zentrierung in sich selbst, kann der Mensch (und sein Herz) zur Ruhe kommen. Die Aufmerksamkeit wird von den Sinnen und damit von der Wahrnehmung des Außen abgezogen und durch die Gefühlswahrnehmung der Innenwelt ersetzt ("innere Landschaften schauen"). Die Bewegung und der Atem werden verlangsamt. So ist es möglich, das Erregungspotential zu senken. Durch beständiges Training kann irgendwann ein tiefer meditativer Zustand erreicht werden, in dem die energetische Fusion der beiden Gehirnhälften (Synchronisation) stattfindet und die Wellenfrequenz des Gehirns sinkt. Nach längerem Training dieses sozusagen selbsthypnotischen Zustandes, kann dieser immer wieder spontan abgerufen werden. Das Qi kann im Körper relativ schnell gesenkt werden und das Herz (die Erregung) kommt zur Ruhe. Im Laufe des Übungsprozesses klären sich emotionale Verstrickungen und die ursprüngliche Reinheit des Herzens tritt zutage. Das Herz will Hingabe. Es braucht Zeit. Es braucht Liebe, um selber lieben zu können und es braucht Raum, um sich zu entfalten und in Resonanz zu kommen. Ein Lächeln nach innen - das Herz öffnet sich. Ein Lächeln nach außen - die Welt öffnet sich.

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- Dirk Ruppik - Mail: SL2SL@web.de

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